Ich habe wieder eine Reise in die Ukraine unternommen.

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Ich habe wieder eine Reise in die Ukraine unternommen.


Mit dem Tiger in einem ukrainischen Dorf. Zuverlässiger Tiger

Kilometer: 140.000.

Meine Berichte haben größere Abstände bekommen. Anfangs habe ich viel Neues über mein Auto erzählen können. Es sind einige Unzulänglichkeiten zutage getreten und Ausfälle passiert. Kinderkrankheiten. Inzwischen passiert eigentlich nichts mehr. Mein Auto steht zur Verfügung und ich fahre. Inzwischen habe ich über 140.000 Kilometer auf dem Tacho. Die letzten fünf meiner Autos hatte ich stets mit etwa 100.000 Kilometern wieder abgegeben. Mit dem Tiguan habe ich keine Probleme, weite Reisen nach Osteuropa anzutreten. Ich habe das Gefühl, ihm trauen zu können.

Also ging ich mit ihm wieder auf die große Fahrt in die Ukraine.

Reise in die Ukraine

Kilometer: 133.380 bis 138.350.

Wer meine Berichte verfolgt hat, weiß, dass ich im Auftrage des Vereins "Kinder von Tschernobyl e.V." dorthin fahre, um unsere Hilfsprojekte zu koordinieren und voran zu bringen. Die Fahrt geht immer nach Wyschgorod, eine Stadt etwa 25 Kilometer nördlich von Kiew am Kiewer Meer gelegen, dessen Staumauer dort steht. Da sich der Kreis Wyschgorod, in dem wir tätig sind, beiderseits des Kiewer Meeres erstreckt und ziemlich groß ist, fallen für die Besuche in den von uns betreuten Familien Fahrstrecken bis zu 70 Kilometer in eine Richtung an. Außerdem haben wir einen Partner in Bila Zerkwa, einer etwa 200.000 Einwohner großen Stadt etwa 100 Kilometer süd-süd-westlich von Kiew. Außer der Hin- und Rückfahrt fallen somit auch etliche Kilometer innerhalb der Ukraine an, so dass für die Reise insgesamt genau 5.000 Kilometer zusammenkamen.

Die Strecke für die Hinfahrt ist im nächsten Bild zu sehen.

Route für die Hinfahrt.
Diese Route ist nahezu die kürzeste Entfernung, aber auf jeden Fall die mit dem normalerweise geringsten Zeitaufwand.

Es ist schwer, gegenüber den vorherigen Reiseberichten (Mai 2014, Mai 2015, Oktober 2015, Mai 2016, September 2016 und April 2017) irgendetwas Neues zu berichten, was meinen Tiger angeht. Wer mehr über den eigentlichen Zweck der Reise erfahren möchte, kann sich gern unter www.kvt-kierspe.de informieren.

Wegen der vielen Baustellen auf der A45 wählte ich auf dem Hinweg die "Nordroute". Es ging also auf der A45/A1/A2 Richtung Berlin nach Frankfurt/Oder und dort auf der polnischen Autobahn Richtung Warschau. Bis Warschau gibt es in Polen mehrere Mautstellen, bei denen ich für die 450 Kilometer insgesamt 94,90 Zloty bezahlte, was etwa 25 Euro entspricht. Dieser Betrag verteuert die Reise nicht unbeträchtlich. Im Prinzip ist es so, als würde mein Auto 5 l/100 km mehr verbrauchen. Aber dafür gibt es eine freie Autobahn mit nur wenigen Rasern und einem sehr guten Ausbau. Man kommt rasch voran, was auch daran liegt, dass es nur wenige Raststellen gibt.

Kurz vor Warschau fuhr ich auf einer Schnellstraße in Richtung Süden, um nach etwa 40 Kilometern auf der Nationalstraße 50 über die Weichsel zu fahren und zur Nationalstraße 17 zu kommen. Auf dieser sollte es dann weiter Richtung Lublin gehen, aber auf der 17 gibt es zurzeit einige Großbaustellen, die zur Vollsperrung führen und so überraschte mich eine weiträumige Umleitung über kleine Straßen durch viele kleine Orte.

Als Grenzübergang wählte ich den Übergang Zosin/Ustilug. Ich kam morgens kurz vor acht Uhr an der Grenze an und war nach einer knappen Stunde durch. Im Mai hatte ich es sogar in nur einer Viertelstunde geschafft.

In der Ukraine

Dass die Straßen in der Ukraine nicht besser geworden sind, ist keine wirkliche Neuigkeit. Im Gegenteil, das wäre ein Wunder. Allerdings sind die Oberflächen im Herbst generell besser als im Frühjahr, weil die Frostaufbrüche im Frühjahr erst spät behoben werden können.

Ich bog bei Wolodymyr Wolinskyj nach Norden und fuhr auf der R15 nach Kowel, wo ich auf die gute M07/E373 stieß. Auf dieser Straße fährt man wirklich am besten nach Kiew. Die Verbindung ist wegen der wenigen Ortsdurchfahrten die schnellste und die Straße ist durchgehend von wirklich guter Qualität, seit sie für die Fußball-WM 2012 auf der vollen Länge komplett neu aufgebaut worden war.

Wenn man auf diesen knapp 500 Kilometern aber Rast machen möchte, dann ist das nicht ganz einfach, wenn man den sehr kleinen und schmuddeligen Cafés nicht traut, die es häufig an den Straßen gibt. Erst in Sarny gibt es annehmbare Rastmöglichkeiten.

Fahrzeugtechnisch gibt es von dieser Reise zwar nicht viel zu berichten, aber ich war richtig froh, einen Tiguan zu fahren, als ich so manche Familien besuchte, denen wir Medikamentenhilfe leisten.

Zufahrtstraße zu Wohnhäusern.
Solche "Zufahrtstraßen" gibt es viele auf den Dörfern der Ukraine.

Zufahrtstraße zu Wohnhäusern in der Ukraine.
Diese Adresse habe ich nicht mal mit Hilfe meines Navis gefunden, sondern durch Probieren.

Inzwischen bin ich ja verwöhnt: Habe ich früher manchmal mehr als eine halbe Stunde nach einer Adresse gesucht, weil mir selbst die Einheimischen den Weg nicht weisen konnten, so kennt mein Becker-Navi sogar in der Ukraine fast alle Adressen. Aber bei dieser hier versagte auch seine Wegweisung. Welche Adresse dieses Haus genau hat, habe ich nicht herausbekommen. Die "Straße" zweigte von einer Dorfstraße ab und hatte anscheinend keinen eigenen Namen; zumindest nicht den, der sich dann an dem Haus fand.

Ich hatte eigentlich gedacht, dass ich schon fast alles an Armut gesehen hätte, was die Ukraine zu bieten hat, aber hier wurde ich doch wieder überrascht.

Ukrainisches Dorfhaus.
Obwohl dies Haus bitterste Armut zeigt und ich bewusst nur die Rückseite darstelle, zeugte das Grundstück selbst von dem Lebenswillen und -mut der Bewohner. Alles war ordentlich und so weit möglich in Ordnung.

Begegnet man aber diesen Menschen, dann trifft man oft beeindruckende Persönlichkeiten, die in ihrer Armut Lebenskraft und Energie zeigen, die mich erstaunt. Wenn wir dann mit den Spenden aus Deutschland helfen können, dass ein chronisch krankes Kind der Familie die notwendigen Medikamente bekommt, dann tut das sogar uns selbst gut. Den Menschen zeigt es außerdem, dass sie nicht vergessen sind und oft setzt dies Bewusstsein ganz neue Kräfte frei, ihr Schicksal zu bewältigen. Einige solcher Familien haben wir begleiten können, bis die Kinder erwachsen waren und es sind herzliche Kontakte entstanden.

Häufige ukrainische Wasserversorgung auf dem Dorf.
Solche "Wasserversorgungsanlagen" findet man häufig auf den Dörfern und selbst noch in kleineren Städten.

Warmwasseraufbereitungsanlage.
Solche pfiffigen umweltfreundlichen und energiesparenden Warmwasseraufbereiter findet man ebenfalls häufig. Das reicht zum Duschen.

Die Besuche bei unseren "Medikamentenkindern" und bei den Partnern, die wir mit Hilfstransporten versorgen, brachten fast 1.000 Kilometer auf ukrainischen Straßen zusammen.

Wenn es eben geht, vermeide ich im Dunklen zu fahren, besonders wenn es regnet. Viele Autos fahren mit Standlicht, wobei dies oft aus kleinen blauen selbst eingebauten Lämpchen oder LEDs besteht und man die Fahrzeuge fast nicht wahrnimmt. Die Fußgänger sind durchweg dunkel gekleidet. Straßenränder sind ohne weiße Leitlinien. Die Straßen sind mit Schlaglöchern versehen. Hunde queren die Straßen oder liegen überfahren auf der Straße.

In den Ortschaften ist generell eine Geschwindigkeit von 60 km/h erlaubt und das ist vielen Zeitgenossen noch zu wenig. Sie überholen rechts und links ungeachtet irgendwelcher Überholverbote. Die Zebrastreifen sind schlecht ausgeleuchtet.

Man muss ständig mit äußerst hoher Konzentration fahren und oft sogar darauf verzichten Schlaglöcher zu umfahren, weil das die Situation nicht zulässt. Ich bin gespannt, wie lange mein Auto das noch schadlos mitmacht.

Rückreise

Die Rückreise verlief innerhalb der Ukraine auf derselben Route wie der Hinweg. Und dann kam der unangenehmste Teil der ganzen Reise: zurück in die EU. Ich vermutete, dass mit dem Wegfall der Visapflicht für die Ukraine die Grenzabwicklung sich stark verzögern würde. Ich übernachtete daher kurz vor der Grenze in Wolodymyr Wolinskyj und fuhr sehr früh zur Grenze. Ich war um 4:30 Uhr an der Grenze und hatte nur zehn Autos vor mir. Es ist nicht erkennbar, warum alles so lange dauert, aber ich brauchte anderthalb Stunden um nach Polen zu kommen. Ich vermute, dass die Datenleitungen zu den zentralen Datenbanken der EU nicht ausreichen, um eine schnelle Abwicklung zu gewährleisten. Es soll ja besser werden mit einem neuen Programm. Ich bin gespannt.

Um die Baustellen auf der Nationalstraße 17 zu vermeiden, fuhr ich auf der 74 durch Zamosz nach Janow Lubelski und dann auf der 19 nach Süden Richtung Rzeszow und dort auf die Autobahn Richtung Krakau und weiter nach Görlitz. Zwischen Krakau und Görlitz gibt es auch hier Mautstellen, aber insgesamt bezahlte ich nur 36,20 Zloty, was knapp zehn Euro sind.

In Deutschland nahm ich eine andere Route als bisher üblich. Ich fuhr westlich Dresden auf die A14 nach Leipzig, dann auf der A38 südlich um Leipzig herum und weiter bis zur A7, auf der es Richtung Kassel ging, um anschließend auf der A44 bei Unna die A1 zu treffen und danach über die A45 nach Hause zu kommen. Die Route ist auf dem nächsten Bild zu sehen.

Rücktour Kiew-Kierspe.
Diese Strecke ist kaum länger als die Strecke über die A4/A5/A45, die ich sonst genommen hatte.

Für diese Reisen ist mein Tiger wirklich geeignet. Ich kann entspannt lange Strecken fahren. Das Fahrgeräusch bei einer Geschwindigkeit von Tacho 140 ist angenehm. Ich kann mich mit dem Beifahrer unterhalten, ohne mich anstrengen zu müssen. Ich kann Hörbücher oder Musik hören, ohne diese laut stellen zu müssen. Ich genieße meinen Tiguan dabei jedes Mal.

Nervend ist nur bei langsamer Fahrt und im Stand das Dieselgeräusch, an das ich mich kaum gewöhnen kann. Manchmal ist der Motor auch im Stand schön ruhig, aber oft vibriert und brummt der Motor so stark, dass ich wirklich von ihm enttäuscht bin. Das Steuerungsupdate für den Motor hat seiner Laufruhe wirklich nicht gut getan! Ich bin gespannt, wie lange er halten wird, denn ich habe vor, ihn lange zu fahren. Dieser Dieselskandal und seine Aufarbeitung sind eine große Blamage für VW.

Verbrauchsangaben

Kilometer: 140.000.

Auf der gesamten Reise habe ich einen Durchschnittsverbrauch von 7,1 l/100 km gehabt. Auf den Autobahnen bin ich möglichst 130 km/h mit Tempomat gefahren, was einer Tachoanzeige von 140 entspricht. Ich hatte ja früher bereits berichtet, dass mein Tacho bei 130 km/h knapp 10 km/h voreilt. In Polen auf der Landstraße und in der Ukraine war die Höchstgeschwindigkeit auf den von mir genutzten Straßen 90 km/h. Der Verbrauch bewegt sich ziemlich genau auf dem Gesamtdurchschnitt, der im nächsten Bild zu sehen ist.

Die nachstehende Grafik zeigt den Verbrauch kumuliert seit dem Update der Motorsteuerung. Ich bin bei 7,2 l/100 km gelandet.

Im nächsten Monat werde ich die Winterräder montieren lassen. Aber das wird am Verbrauch erfahrungsgemäß nichts ändern.

Dieselverbrauch kumuliert seit dem Update.
Ich zeige hier den Dieselverbrauch seit dem Update.

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