Eine Fehlermeldung überrascht mich. Ich war mit dem Tiguan wieder auf großer Fahrt und kann jetzt ein vorläufig endgültiges Fazit des Steuerungsupdates ziehen.

Langzeittest VW Tiguan
Monatsberichte 2016

Monatsbericht September 2016


Sie sind hier: Langzeittest >> VW Tiguan >> Monatsberichte >> 2016 >> Monatsbericht September 2016
Zum nächsten Artikel. Monatsbericht Oktober 2016



Eine Fehlermeldung überrascht mich. Ich war mit dem Tiguan wieder auf großer Fahrt und kann jetzt ein vorläufig endgültiges Fazit des Steuerungsupdates ziehen.


Kurzausfall der internen Kommunikation. Kurzausfall

Kilometer: 97.800.

Ich will kurz bei einem Haus anhalten. Ich trete auf die Bremse, der Wagen kommt zum Stehen. Dann überlege ich, doch noch ein paar Meter weiterzufahren, weil ich da verkehrsgünstiger stehen kann und nehme den Fuß wieder von der Bremse. In diesem Moment hatte sich die Start-Stopp-Automatik überlegt, den Motor auszuschalten. Gleichzeitig habe ich aber die Bremse wieder losgelassen. Normalerweise ist das der Befehl, den Motor wieder zu starten. Jetzt bleibt er trotzdem aus. Ich versuche es mit Gasgeben. Der Motor startet kurz und erstirbt sofort wieder. Nichts mehr.

Na gut, der Computer hat sich verhaspelt. Das kennt man ja auch von Windows. Mit meinen Gedankensprüngen kommt er einfach nicht mit. Also Schlüssel kurz abgezogen und wieder neu gestartet. Er startet brav, zeigt mir aber dann die nachstehende Fehlermeldung.

Kurzausfall der internen Kommunikation.
Unverständlich! Was hat das mit dem soeben Geschehenen zu tun?

Eigenartig! Es passt gerade, dass ich ein paar Minuten Zeit für die Werkstatt habe. Also hin. Unterwegs halte ich wieder an und versuche noch einmal einen Neustart. Die Fehlermeldung kommt wieder und verschwindet dann. Bei der Fahrt leuchtet aber die Warnleuchte für den Reifendruck auf. Ich halte an und starte neu. Diesmal kommt die Fehlermeldung nicht mehr und die Kontrollleuchte auch nicht mehr.

Es ist gerade Mittagspause, aber der Meister ist durchgehend verfügbar.

Ich beschreibe ihm mein Erlebnis, doch er kann nichts damit anfangen und möchte es als einmalig und nicht zu beachten abtun. Ich bitte ihn, den Fehlerspeicher auszulesen. Er holt einen Mitarbeiter aus der Pause und lässt den Speicher auslesen. Ergebnis: Ich hatte zutreffend beschrieben. Der Fehler lautet auf "kurzzeitiger Ausfall der Kommunikation". Da er sich den Vorfall nicht vermerken will ("Wo soll ich mir das aufschreiben?") bitte ich ihn, das zumindest nicht zu vergessen, falls ich wiederkommen müsse. Sollte das wieder auftreten, will ich es nicht erneut als Einzelfall behandelt wissen.

In einigen Tagen will ich wieder auf große Reise gehen. Erwartet mich da eine Überraschung durch meinen Tiger?

Nachtrag zur Türreparatur

Im September erhielt ich den erwarteten Brief des Volkswagen Versicherung Services mit den Angaben zu den Reparaturkosten. Ob dies die kompletten Kosten sind, kann ich nicht sagen. Der Brief teilt mir jedenfalls mit, dass dem Autohaus in Kürze ein Betrag von 116,70 Euro erstattet wird. Der Betrag ist geringer als die 200 Euro, welche der Meister bei der Einschätzung angegeben hatte. Ich gehe daher davon aus, dass bei Garantiereparaturen nicht der volle Betrag von VW übernommen wird, sondern der Händler einen Teil der Kosten mitträgt.

Reise in die Ukraine

Jedes Jahr fahre ich zweimal in die Ukraine, weil ich für den Verein "Kinder von Tschernobyl e.V." in Kierspe aktiv bin. Der Verein führt Hilfstransporte durch, unterstützt eine Anzahl chronisch kranker Kinder bei der Beschaffung der erforderlichen Medikamente, finanziert eine Armenküche und lädt jährlich eine Gruppe Kinder zur Erholung nach Deutschland ein. Diese Aktivitäten erfordern regelmäßig Kontakte mit Partnern vor Ort. Wer mehr darüber wissen will, kann sich auf der Homepage des Vereins näher informieren. Bei diesem Bericht geht es nur um die Reise selbst und darum, wie der Tiger sich auf dieser Reise schlägt.

Reiseroute

Die Reiseroute verlief auf der Hinfahrt über die A45-A1-A2 nach Berlin, dann auf dem Berliner Ring weiter nach Frankfurt an der Oder. Auf der polnischen Seite ist es die A2, die eine wunderbar ausgebaute, tolle Autobahn ist, auf der man allerdings Maut zahlen muss.

Nach einer Zwischenübernachtung verließ ich kurz vor Warschau die Autobahn, um dann südlich in großem Bogen um Warschau herumzufahren und in Lublin zu landen. Von da aus wäre der natürliche Grenzübergang bei Dorohusk, östlich von Chelm, aber da gibt es regelmäßig einen mehrstündigen Aufenthalt und darauf hatte ich keine Lust.

Also fuhr ich etwas weiter südlich nach einer weiteren Übernachtung in Hrubieszów am frühen Morgen bei Zosin über die Grenze in die Ukraine. Das war die richtige Entscheidung, denn nach einer halben Stunde hatten wir die Grenze hinter uns. Rekord! Anschließend ging es wieder nach Norden zurück auf die Hauptstraße, auf der ich dann nach Kiew bzw. Wischgorod weiterfuhr.

Routenverlauf der Hinreise.
Routenverlauf der Hinreise.

Der rasche Grenzübertritt in die Ukraine an diesem Übergang beschert einem aber nicht nur einen kleinen erträglichen Umweg, sondern auch echtes Abenteuer.

Ukrainische Straße, wenn sie keine vielbefahrene und prestigeträchtige Hauptader ist.
Ukrainische Straße, wenn sie keine vielbefahrene und prestigeträchtige Hauptader ist.

Zum Glück war dieser Straßenabschnitt nur wenige Kilometer lang, aber das waren abenteuerliche Kilometer. Abschnittweise ist die Fahrbahn glatt und gut befahrbar, aber wenn die Konzentration nicht ständig hoch bleibt, wird man unsanft geweckt, weil die Räder in tiefe große Schlaglöcher krachen, so dass man meint, der Reifen hätte es hinter sich. Man muss wirklich dauerhaft konzentriert bleiben. Solche Strecken fahre ich nicht nach Sonnenuntergang. Inzwischen gibt es aber nicht mehr wirklich viele Strecken in der Ukraine, die so aussehen und die ich fahren muss.

Die Rückfahrt verlief innerhalb der Ukraine über dieselbe Strecke und denselben Grenzübergang, den ich aber am Nachmittag erreichte und nicht am Morgen. Ergebnis: knapp sechs Stunden Aufenthalt.

In Polen fuhr ich dann aber nicht mehr nach Norden Richtung Warschau, sondern nach Süden, um über Rzeszów und Krakau zu fahren. Ob man über Warschau oder Krakau fährt bringt kaum eine Differenz. Darum wechsle ich die Strecken gern. Auch auf dieser Autobahn fällt Maut an, aber dafür hat man wieder eine hervorragende Autobahn.

Von Dresden aus fuhr ich diesmal Richtung Leipzig um über Göttingen und Kassel die A44 entlang wieder nach Hause zu kommen.

Sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückreise stellte ich den Tempomaten auf der Autobahn auf 140 km/h nach Tachoanzeige, was ziemlich genau der Richtgeschwindigkeit in Deutschland entspricht. Ich kann ohne heftige Brems- und Beschleunigungsmanöver zügig fahren, bin immer noch schneller als die meisten anderen und fahre sehr entspannt. Den Tempomat nutze ich ausgiebig auch bei Geschwindigkeitsbeschränkungen. Ich möchte ihn nicht mehr missen.

Routenverlauf der Rückreise.
Routenverlauf der Rückreise.

Erlebnisse in der Ukraine

Andere Länder — andere Gewohnheiten und Sitten. Wenn man den Schritt von Polen aus in die Ukraine macht, dann ist das schon krass. Nicht nur, dass die Straßen schlechter sind, nein, unmittelbar hinter der Grenze begegnet einem ein völlig anderes Leben.

Sieht man in Polen immer wieder High-Tech an den Straßen …

Energiegewinnung für Straßeninfrastruktur in Polen.
Zur Energiegewinnung für die nächtliche Beleuchtung von Übergängen nutzt man Sonnenenergie und Windenergie gleichzeitig.

… so findet man an ukrainischen Straßen zwar praktische aber dennoch vorsintflutliche Hilfen zur Selbsthilfe.

Reparaturbühne an der Landstraße.
Reparaturbühne an der Landstraße.

Solche Reparaturbühnen findet man an vielen Überlandstraßen auch weit außerhalb von Ortschaften. Ich muss allerdings dazu sagen, dass die Qualität der Fahrzeuge in den letzten Jahren deutlich besser geworden ist und dass man unterwegs kaum noch liegen gebliebene Fahrzeuge an den Straßenrändern sieht.

Auch die Panjewagen, die vor Jahren noch das Bild der Landstraßen prägten, sind heut nicht mehr häufig zu sehen.

Panjewagen auf ukrainischen Straßen.
Panjewagen sind auf ukrainischen Straßen seltener geworden, gehören aber immer noch zum Straßenbild.

Noch stärker als an den Autos merkt man die technische Entwicklung am Umgang mit Handy und Tablet. Das ist genau wie bei uns. In der U-Bahn, auf dem Gehweg, im Auto, im Bus, im Restaurant, zu Hause: es gibt keinen Platz mehr ohne Handy oder Tablet. Lasen früher noch die meisten Leute ein Buch in der U-Bahn, starren sie jetzt auf ihre Handys, Knopf im Ohr.

Da die technische Entwicklung so stürmisch verläuft, kommt man mit dem Kopf und den Regeln nicht mehr nach. Die Autos werden überall geparkt: am Ausgang von Verteilerkreisen, in Verteilerkreisen, in Kreuzungsbereichen, auf allen Gehwegen. Die Verwaltungen versuchen inzwischen mit netten Pollern das Problem in den Griff zu bekommen.

Poller gegen wildes Parken.
Poller gegen wildes Parken.

Verwaltungen können auch flexibel und kreativ sein. Ob das immer sinnvoll ist, sei dahingestellt, aber es treibt schöne Blüten. So kann man in der Ukraine die tollsten KFZ-Kennzeichen sehen. Da werden nicht nur Ziffern und kyrillische Zeichen verwendet sondern auch lateinische. Ich weiß nicht, wie ein Polizist diese Vielfalt rasch erfassen können soll. Bei kurzen Zeichen mag das ja noch gehen oder wenn zum Beispiel der Name des Nationaldichters Schevtschenko (natürlich kyrillisch) verwendet wird.

Kuriose KFZ-Kennzeichen.
In der Ukraine gibt es kuriose KFZ-Kennzeichen.

Und dann gibt es noch das wenig technische Leben, das gemütlich aussieht, aber von Armut geprägt ist.

Straßenmarkt.
Solche Straßenmärkte sind allgegenwärtig. Manchmal steht nur ein Eimer mit ein paar Äpfeln zum Verkauf.

Wie überstand der Tiger diese Reise?

Der Tiguan ist ein tolles Reiseauto. Auf der Autobahn bei Tempo 140 km/h kann man sich gemütlich unterhalten, nette Musik hören oder ein Hörbuch genießen. Das ist wirklich angenehm.

Aber wenn ich wieder langsam fahre und den Tiger im unteren Drehzahlbereich bewege, dann geht mir der raue Motorlauf auf den Keks. Wenn sich jemand einen gebrauchten Tiguan zulegen will, dann sollte er bei einem Dieselfahrzeug, zumindest bei einem 2-Liter-Motor mit 140 PS, eine ausgiebige Probefahrt machen. Der Motor läuft jetzt nach dem Steuerungsupdate deutlich rauer als bei meinen alten Mazdas.

Aber das gilt wirklich nur für den Drehzahlbereich bis etwa 2.000 Umdrehungen pro Minute und zusätzlich bei starker Beschleunigung. Bei starker Beschleunigung in höhere Drehzahlen schreit der Motor förmlich auf. Das hört sich mitleiderregend an. Ich kann allerdings nicht sagen, dass der Motor lauter ist. Das Geräusch ist einfach unkultivierter.

Dieselverbrauch

Inzwischen habe ich 13.000 Kilometer nach dem Steuerungsupdate zurückgelegt. Jetzt kann ich eine klare Aussage zum Dieselverbrauch machen.

Auf den gut 4.500 Kilometern dieser Reise lag der Verbrauch bei 6,8 Litern auf 100 Kilometer. Im Mai habe ich auf derselben Strecke bei derselben Fahrweise und derselben Belastung des Fahrzeugs 6,7 Liter auf 100 Kilometer verbraucht. Auf dieser Reise kann man nicht von Mehrverbrauch sprechen.

Ich habe darum den gesamten Verbrauch seit Übernahme des Fahrzeugs vor 102.000 Kilometern in Etappen von etwa 10.000 Kilometer ausgewertet. Für jede Etappe habe ich neu angesetzt und dann alle Verbräuche addiert und über die jeweilige Gesamtstrecke den Mittelwert errechnet. Jeweils am Anfang jeder Etappe kann es also einen größeren Ausschlag vom Mittelwert geben, weil dann nur eine einzige Tankung eine Rolle spielt. Gegen Ende der Etappe stellt sich dann der recht genaue Mittelwert ein.

Kumulierter Dieselverbrauch in 10.000-Kilometer-Etappen.
Kumulierter Dieselverbrauch in 10.000-Kilometer-Etappen.

Vergleicht man die letzte Etappe mit den Etappen vorher, so zeigt sich, dass der Dieselverbrauch sehr gut im Rahmen des Üblichen liegt.

Mein Fazit ist daher, dass mein Fahrzeug durch das Steuerungsupdate keinen veränderten Dieselverbrauch aufweist. Das ist sehr erfreulich.

Gesamtfazit zum Steuerungsupdate

Mein Gesamtfazit zum Steuerungsupdate lautet:

  • Mein Auto hat 20 PS mehr
  • Der Motor hat ein deutlich höheres Drehmoment
  • Leistungsmaximum und Drehmomentmaximum sind zu höheren Drehzahlen hin verschoben
  • Der Dieselverbrauch ist unverändert
  • Der Motor läuft deutlich unkultivierter

Ich weise aber darauf hin, dass ich im Internet von grundlegend anderen Erfahrungen gelesen habe. Es ist nicht auszuschließen, dass das Herstellungsdatum des Motors eine wichtige Kenngröße ist, die zu unterschiedlichen Ergebnissen führt.

Dies Gesamtfazit kann aber nur vorläufig sein, denn ich bin gespannt, ob sich die Lebensdauer des Motors drastisch geändert hat. Zum Glück habe ich bis 200.000 Kilometer Fahrleistung Garantie.

Seite drucken.  Seite drucken  Zum nächsten Artikel. Monatsbericht Oktober 2016