Ich machte mit dem Tiguan eine Fünf-Länder-Reise über 4.500 km. Dabei genoss ich das adaptive Fahrwerk, vernahm aber ein Poltern an der Vorderachse. Ende Mai bewährte sich der Tiger mit seinem Stabilisierungsprogramm als Zugfahrzeug mit hohem Verbrauch.

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Monatsbericht Mai 2014


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Ich machte mit dem Tiguan eine Fünf-Länder-Reise über 4.500 km. Dabei genoss ich das adaptive Fahrwerk, vernahm aber ein Poltern an der Vorderachse. Ende Mai bewährte sich der Tiger mit seinem Stabilisierungsprogramm als Zugfahrzeug mit hohem Verbrauch.


Der Tiger auf 1.000 m Höhe in der Tatra in Donovaly/Slowakai. Die erste große Reise des Tigers

01.05.–12.05.2014, Kilometer: 4.100–8.600.

Anfang Mai machte ich mit dem Tiguan die erste große Reise, der hoffentlich noch viele ähnliche folgen werden. Für solche Reisen hatte ich mir das Fahrzeug ausgesucht. Ich war gespannt, wie er sich auf dieser Strecke machen würde. Vorab: Ich bin wirklich begeistert.

Die Reise ging in die Ukraine, wo ich für den Neues Fenster. Verein "Kinder von Tschernobyl e.V." zur Koordinierung unserer humanitären Hilfe hinfuhr. Da ich die Strecke in nur zwei Etappen bewältigen wollte, wählte ich die schnelle Route Kierspe — Warschau — Chelm — Kiew — Wischgorod. Für die Rückfahrt wählte ich die Strecke Wischgorod — Kiew — Chelm — Tarnov — in die Slowakai — dort durch die schöne Tatra nach Prag und über Chemnitz zurück nach Kierspe. Das waren insgesamt knapp 4.200 km und dann kamen noch etwa 300 km innerhalb der Ukraine für weitere Fahrten hinzu.

Hin- und Rückroute Kierspe-Wischgorod.
Die rote Linie zeigt den Hinweg und die blaue den Rückweg.

Die erste Etappe ging über 1.320 km bis Chelm. Bis Frankfurt/Oder ließ ich den Tiger bei freier Strecke mit Tacho 180 und Tempomat laufen. Erstens wollte ich die Etappe schaffen und zweitens wollte ich wissen, was er bei dieser verrückten Fahrweise verbraucht. Die Durchschnittsgeschwindigkeit einschließlich eines Tankaufenthalts war auf diesen 660 km etwa 125 km/h und laut Multifunktionsanzeige lag der Verbrauch bei 10,0 l/100 km. Es war der 1. Mai und die Autobahn war völlig leer. Allerdings hielt ich alle Geschwindigkeitsbeschränkungen ein.

In Polen ist die maximale Geschwindigkeit auf der Autobahn 140 km/h. Daran hielt ich mich. Die Autobahn geht durch bis Warschau. Allerdings gab es vier Bezahlstellen, an denen ich insgesamt 18 Euro loswurde. Bis Warschau hatte ich auf diesen gut 400 km einen Durchschnitt von 110 km/h und auf den letzten knapp 300 km bis Chelm fuhr ich Landstraße mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 80 km/h. Die Straße war auf dem ersten Teilstück wie eine Schnellstraße ausgebaut und ansonsten eine wenig befahrene Straße ohne LKW.

Der Gesamtverbrauch lag von Kierspe bis Chelm gemäß Tankbelegen errechnet bei 7,9 l/100 km. Das hat mich positiv überrascht. Der Gesamtschnitt auf diesen 1.320 km lag einschließlich aller Tank- und sonstigen Pausen bei knapp 110 km/h.

Der Rest der Strecke war gute und leere Landstraße. Die Fahrten innerhalb der Ukraine waren ebenfalls Landstraße bis Feldwege.

Rückfahrt

Der Autobahnanteil auf der Rückfahrt war bis Prag ebenfalls gering. Von Chemnitz aus fuhr ich dann bis nach Hause fast ausschließlich Autobahn, aber mit werktäglichem deutschem Verkehr und mit maximal 140 km/h nach Tacho. Es ergab sich von Prag aus ein Schnitt von nur knapp 90 km/h.

Der Tiger auf 1.000 m Höhe in der Tatra in Donovaly/Slowakai.
Mein Tiguan ist in der Slowakai in Donovaly auf 1.000 m Höhe in der Tatra.

Der Gesamtverbrauch über die gefahrenen 4.500 km betrug im Durchschnitt 7,5 l/100 km. Das entspricht dem, was ich vom Tiguan erhofft hatte und ich bin zufrieden.

Aber mäßiger Verbrauch ist natürlich nicht alles, was ich von meinem Tiger erhofft hatte. Ich hatte ihn mir wegen der höheren Bodenfreiheit gekauft und wegen des adaptiven Fahrwerks. Siehe dazu meinen ersten Bericht vom Dezember 2013.

Die Bodenfreiheit hat sich voll bewährt, denn ich habe nirgendwo in der Ukraine aufgesetzt und die Straßen in den Dörfern sind eigentlich dazu geeignet. Auch das kann man auf dem Foto in meinem ersten Bericht schön sehen.

Das adaptive Fahrwerk habe ich unterwegs ausgiebig erprobt. Ich habe auf den verschiedenen Streckenabschnitten die drei Stufen durchgeschaltet und ich habe die Komfort-Stellung sehr genossen. Das Fahren war total entspannt und die ausgeprägt geringe Geräuschkulisse tat ein Übriges. Ich konnte die Musik genießen ohne sie laut aufdrehen zu müssen und ich konnte meine Hörbücher hören, ohne mich anstrengen zu müssen. Ich bin wirklich begeistert von meinem Tiguan als Reisewagen.

Nachstehend will ich mehr über das Fahrwerk erzählen.

Die adaptive Fahrwerksregelung DCC

Im Dezember 2013 berichtete ich, dass die Entscheidung zwischen dem Mazda CX-5 und dem Tiguan wegen der adaptiven Fahrwerksregelung des Tiguan zugunsten des Tigers fiel. Ein gut erreichbarer Schalter (siehe Bild) ermöglicht die Wahl zwischen den drei Einstellungen Normal, Sport und Komfort. Die jeweilige Stellung wird für einige Sekunden in der Multifunktionsanzeige genannt.

Schalterleiste mit dem DCC-Schalter.
Die Schalterleiste mit dem DCC-Schalter ist vor dem Getriebewählhebel gut erreichbar.

Der Schalter hat zwei Anzeige-LEDs um die Stellungen "S" und "C" anzuzeigen. Die Normalstellung ist ohne Anzeige. Ich fahre fast ausschließlich in der "C"-Stellung (Komfort). Die Stellung "S" für Sport probiere ich ab und zu bei schnellen Autobahnfahrten. Wenn die Autobahn in Kurven relativ wellig ist, dann fällt das in der "C"-Stellung schon mal unangenehm auf. Der Wagen scheint ruhiger und straffer auf der Straße zu liegen, wenn der Schalter in der Position "S" steht.

Bei gewählter Sportfahrwerkregelung fühlt sich auch die Lenkung straffer an. Es ist erstaunlich, welche Änderung dieser Schalter bewirkt. Auf den normalen schlechten Landstraßen in unserer Gegend finde ich die Sport-Regelung allerdings ziemlich unangenehm. Dies Gefühl dürfte aber mit meinem Alter zu begründen sein. Vielleicht hätte ich das vor 30 Jahren völlig anders wahrgenommen. VW bietet sicherlich nicht zufällig den Tiguan alternativ mit reinem Sportfahrwerk an.

Auf der oben geschilderten Reise habe ich die C-Stellung sehr genossen. Ich weiß, dass das übertrieben ist, aber es fühlte sich fast wie in einer Sänfte an. Die Bodenwellen werden einfach überbügelt. Kurze Stöße an Fugen oder Kanten spürt man zwar deutlich, aber sie schütteln nicht so heftig. Ich muss allerdings sagen, dass selbst in der S-Stellung diese kurzen Stöße überraschend gut abgefangen werden. Der wesentlichste Unterschied macht sich bei den normalen und den langen Bodenwellen bemerkbar.

Die Bedienungsanleitung empfiehlt, die C-Stellung bei langen Fahrten zu verwenden und da spielt sie wirklich ihre ganze Stärke aus.

Poltern an der Vorderachse

Bei langsamer Fahrt über Kopfsteinpflaster fiel mir wiederholt ein leichtes Poltern an der Vorderachse auf. Das werde ich weiter beobachten und in anderen Foren nachlesen, was es dazu gibt. Da scheint irgendetwas zu viel Spiel zu haben und da ich in der Ukraine häufiger sehr schlechte Straßen befahre möchte ich nicht, dass sich das zu große Spiel zu "ausgeschlagen" erweitert.

Der Tiguan als Zugfahrzeug

Kilometer: 9.600–11.100.

Ende Mai half ich bei einem Umzug von Stralsund nach Duisburg. Ich lieh mir einen großen Anhänger in Lüdenscheid, der eine 4 m lange Ladefläche und eine 2 m hohe Plane hatte. Er hatte eine zulässige Gesamtmasse von 2.700 kg und eine Leermasse von 550 kg.

Auf dem Hinweg nach Stralsund war der Hänger leer und ich fuhr so weit es zulässig war nach Tacho mit Tempomat 110 km/h. Ich habe früher schon berichtet, dass der Tacho durchgängig eine Voreilung von etwa 6-8 km/h zu haben scheint. Also dachte ich, dass ich mit dieser Geschwindigkeit ziemlich gut am Limit wäre. Die Fahrt ging über die A45 — A1 — A20.

Bis hinter Hamburg, d.h. bis zum Beginn der A20 zeigte die Multifunktionsanzeige einen Verbrauch von 12,8 l/100 km. Bei der großen Stirnfläche des Anhängers und der Geschwindigkeit erscheint mir das verständlich. Bis dahin war ich etwa 450 km gefahren.

Auf der A20 blies mir dann ein ziemlich heftiger Ostwind entgegen. Teilweise brauchte der Tiger ziemlich lange, um nach irgendwelchen Geschwindigkeitsreduktionen wieder auf die eingestellte Geschwindigkeit zu kommen. In Stralsund angekommen, zeigte die Multifunktionsanzeige einen Verbrauch von 14,6 l/100 km. Wenn man ein bisschen rechnet, dann wird klar, dass auf diesen etwa 250 km der Verbrauch bei über 17 l/100 km war.

Das ist ganz schön heftig und zeigt, dass Windbelastung sich bei großen Stirnflächen erheblich auf den Verbrauch auswirkt. Ich war gespannt, wie sich der Verbrauch auf der Rückfahrt mit beladenem Hänger einstellen würde.

Der Tiguan mit dem Anhänger.
Mein Tiguan mit dem Anhänger vor der Schaufassade des Rathauses in Stralsund.

Nachdem der Hänger bis zum letzten Kubikdezimeter beladen war ging es auf den Weg nach Duisburg. Auf der Strecke von Stralsund zur A20 versuchte ich auf 100 km/h zu beschleunigen, was der Tiger motorseitig problemlos bewältigte, aber der Anhänger begann zu schlingern. Als ich gerade abbremsen wollte, griff mein Tiger selbst ein und sein Stabilisierungsprogramm beruhigte den Hänger in wenigen Sekunden.

Der Tiguan ist mit einem Stabilisierungsprogramm ausgestattet, das es gestattet Anhänger bis zu einer Geschwindigkeit von 100 km/h zu ziehen (soweit das die StVo zulässt), wenn die Anhängerkupplung werksseitig eingebaut wurde. Ich konnte den Anhänger wegen seines Verhaltens nur bis zu einer Geschwindigkeit von 75 km/h sicher ziehen. Als ich zwischendurch auf der Autobahn wieder versuchte, etwas schneller zu fahren, griff der Tiger erneut ein, weil der Anhänger in leichtes Schlingern geriet. Das Stabilitätsprogramm ist total super!

Der Gesamtverbrauch auf der etwa 650 km langen Fahrt von Stralsund nach Duisburg betrug laut Multifunktionsanzeige 8,9 l/100 km, und das bei einer Masse des Anhängers von etwa zwei Tonnen. Dieser Wert bestätigt, welch großen Einfluss Wind auf den Verbrauch hat.

Im nächsten Bericht werde ich wieder einige Details des Tiguan zeigen und erläutern.

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